Was muss ein Handy schätzen?

Manche wissenschaftlichen Gebiete sind sehr präsent - ein gutes Beispiel der letzten Jahre sind diverse Raumfahrtmissionen. Andere wiederum gar nicht. Neulich wollte ich einem Bekannten erklären, womit ich mich während meiner Forschungsarbeit beschäftigt hatte. Eines der größten Probleme beim Erklären sind die Begriffe. Oft sind Fachbegriffe schon so in Fleisch und Blut übergegangen, dass man gar nicht auf die Idee kommt, dass der/die andere sie nicht verstehen könnte.  Oder man setzt ein Vorwissen voraus, das diejenige/derjenige einfach nicht hat. Dies ist nun ein Versuch, anhand eines Beispiels aus dem Alltag und ohne, in die Mathematik zu gehen, der Fragen nachzugehen: "Was schätzt ein Handy? Was ist überhaupt Schätzen?"

Ist diese Frage überhaupt sinnvoll? "Computer schätzen doch nicht" werden viele sagen. Bevor wir aber darauf eingehen, einige Beispiele, wann Menschen schätzen. Dies können wir dann ganz einfach auf technische Geräte übertragen.

Wenn wir uns mit FreundInnen oder KollegInnen unterhalten, schätzen wir ständig. Spricht das Gegenüber zu leise oder ist zu weit entfernt, schätzen wir ganz automatisch, was die Botschaft sein könnte. Haben wir einzelne Wörter nicht verstanden, können wir schätzen, welche Wörter passen könnten. Wer öfters auf Reisen ins nicht-deutschsprachige Ausland geht, wird solche Probleme schon zur Genüge erlebt haben. Mit Handys und Smartphones ist es dasselbe: Je weiter das Mobiltelefon von der Basisstation entfernt ist, umso "leiser" sind die empfangenen Signale und es muss geschätzt werden (ja, wirklich).  Oder auch bei Spracherkennungsoftware. Wer schon einmal mit einer Spracherkennung gearbeitet hat, weiß, wie oft das Schätzen der Wörter nicht funktioniert. JedeR kann mal versuchen, am Smartphone SMS oder E-Mails anzusagen.

Aber nicht nur die Entfernung spielt bei der Unterhaltung ein Rolle. Auch die Nebengeräusche, die das Gespräch stören. Dies kann der Wind sein, ein Eisenbahnzug oder die Gespräche anderer Leute in der Bar. In der Fachsprache spricht man vom Rauschen und von Interferenz.

Was ist "Schätzen" nun? Allen Beispielen ist gemein, dass man etwas beobachtet bzw. gehört hat, das verfälscht wurde. Und man möchte nun rückschließen, was es vor dem Verfälschen war. Wären es immer dieselben Störgeräusche, dann würde unser Gehirn nach kurzem Training recht bald die Störgeräusche unterdrücken können. Dem ist leider nicht so. Aber mit ein bisschen Nachdenken kommt man dann doch darauf: weil wir auf Erfahrungen zurückgreifen. Und man überlegt, was mit höchster Wahrscheinlichkeit gesprochen wurde - ohne dass man Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Schule gelernt haben muss.

Und genauso können es Geräte - und damit Handys oder andere technischen Geräte wie Computer: Sie berechnen die Lösung, die die höchste Wahrscheinlichkeit hat. Und das Vorwissen sind Daten von vorhergehenden Ereignissen (der Schätzer lernt sozusagen) oder man gibt gewisse Annahmen vor. Wir sind nun in der Welt der Statistik.

Zum Abschluss noch eine wichtige Erkenntnis: Wenn Computer schätzen, dann machen sie genauso Fehler wie wir Menschen. Es wird nie einen Schätzer geben, der unfehlbar ist. Aber besser werden sie mit Sicherheit.